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IGA 2017 – Wir haben die Haare schön

Wir schreiben das Jahr 1994. Nein, es geht nicht um die russische Militärparade, auch nicht um den Flächennutzungsplan, obgleich sich beim folgenden Thema durchaus ein finanziell – quantitativer Bezug zur TVO herstellen lässt.

Aus 1994 gibt es ein Landschaftsprogramm und Artenschutzprogramm vom Senat, mit dessen Hilfe die Planer es sich zur Aufgabe machten, Umweltvorsorge zu betreiben. Download der PDF-Datei hier: stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/landschaftsplanung/lapro/download/lapro94_erl-bericht.pdf

Unter 3. Biotop- und Artenschutz wird unser Wuhltal beschrieben.

Das Wuhletal ist etwa 16 km lang, teilweise mehrere Hundert Meter breit und stellt den größten zusammenhängenden Grünzug Berlins dar.

Dort heißt es, der „Talraum ist noch weitge­hend erhalten […]“. Drei Trümmerberge verengen das Tal, Kleingärten und Kleinsiedlunegn (1994!) ragen südlich in das Tal hinein. „Die ehemalige Wiesen- und Bruch­waldvegetation ist nachhaltig zerstört (großflächige Baustellen), lediglich nörd­lich des S-Bahnhofes Wuhletal ist ein Erlenwaldstreifen erhalten geblieben. Für einige Organismengruppen (z.B. Amphibien und Wildbienen) stellen auch die offenen Flächen und jungen Brachen bedeutende Lebensräume dar.“ (Quelle: Landschaftsprogramm Artenschutzprogramm 1994 )

Den in dem Papier genannten Wassermangel und der schlechten Wasserqualität wurde durch die 7,8 Mio-teure-EU-Fördermittel-finanzierte-Renaturierung der Wuhle von 2006 – 2008 vermutlich entgegengewirkt. Seitdem ist das Wuhletal, sofern es nicht auch schon vorher gewesen war, ein beliebtes Naherholungs- und Freizeitgebiet im Bezirk.

Nach 6 Jahren ist nun Schluss damit. Das Wuhletal ist IGA-Gelände. Zwar beschreiben die IGA 2017 GmbH, „der neue Kienbergpark mit dem Kienberg, Teilbereichen des angrenzenden Wuhletals und dem Jelena-Santic-Friedenspark [wird] zu einem kostenfrei zugänglichen Naherholungsraum weiterentwickelt sein“ (Quelle: IGA-Buergerinformation_April_2015 der IGA 2017 GmbH), es ist jedoch anzunehmen, dass diese Aussage zu bezweifeln ist.

Dann ist da noch die Sache mit der südtirolischen 1,5 km – langen Seilbahn am U – Bahnhof  „Neue Grottkauer Straße“ (Link: seilbahn.berlin). Die Seilbahn, deren gesamte Fahrtlänge auf 5 Minuten geschätzt wird, lässt die Gemüter erneut anspringen: Für 2 „Talstationen“ und der Kienbergstation müssen 3.100 m² Gehölz wird gerodet und weitere 3.500 m² offenes Land bebaut werden. Die Kosten werden vermutlich unüberschaubar hoch sein.

sheepNatürlich werden die Touristen auch nach der IGA aus der City hier ins Land fahren, um vom U-Bahnhof „Neue Grottkauer Straße“, einer Gegend, die an sich schon ein Touristenmagnet darstellt, in eine Seilbahn zu springen um sich dann in 5 Minuten zum Blumberger Damm übersetzen zu lassen. Wenn man dann schonmal am Blumberger Damm ist, kann man direkt via TVO / Köpenicker Straße zum BER fahren, um dann noch einmal bei perfekter Westwetterlage das Flugroutensupergebiet Marzahn-Hellersdorf aus dem Flugzeug betrachten zu können. Toll geplant, super umgesetzt, fehlt nur noch der eigene Weltraumbahnhof zur Erkundung der Sternschnuppen.

grasManche Investitionen sind einfach zu nachhaltig, zu ökologisch und zu ökonomisch. Vielleicht gibt es an einer Station der Seilbahn ein Friseurfachgeschäft mit Haarmodulationsoption, dann hat man zumindest die Haare schön und irgendwann ist dann Gras über die Sache gewachsen und man kann das nächste Wunder von MaHe planen …

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